29.07.2010: UNO erklärt Wasser zum Menschenrecht
Die Vereinten Nationen haben den Anspruch auf sauberes Wasser als
Menschenrecht festgeschrieben. Österreich enthielt sich der Stimme.
Sauberes Wasser ist jetzt ein Menschenrecht. Die Vereinten Nationen
haben am Mittwoch den Anspruch auf reines Wasser und Sanitärversorgung
als Menschenrecht proklamiert. Die von Bolivien vorgelegte und von 33
anderen Staaten unterstützte Resolution wurde in der Vollversammlung der
192 Mitgliedsstaaten, von denen 163 anwesend waren, mit der großen
Mehrheit von 122 Stimmen angenommen. Das Recht auf sauberes Wasser wurde
jedoch nicht, wie zunächst irrtümlich gemeldet, in die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte aufgenommen.
Österreich enthielt sich der Stimme. Österreich sei nicht grundsätzlich
gegen die Initiative, hieß es in österreichischen diplomatischen Kreisen
in New York gegenüber der APA. Im Gegenteil sei der Zugang zu Wasser
und sanitärer Versorgung ein traditioneller Schwerpunkt der
österreichische Entwicklungszusammenarbeit oder der Einsätzen des
Bundesheeres in Krisensituationen.
Durch die Festschreibung von Wasser als Menschenrecht ergäben sich aber
Konsequenzen und möglicherweise Verpflichtungen, die nicht geklärt
seien. Für das wasserreiche Österreich seien dies "sensible Fragen", die
derzeit in einem Prozess beim UNO-Menschenrechtsrat in Genf behandelt
werden. "Wir hätten es vorgezogen, wenn dieser Prozess zunächst zu Ende
geführt worden wäre."
Insgesamt enthielten sich 18 der 27 EU-Staaten bei der Wasser-Resolution
der Stimme.
Auch von Seiten der USA hieß es: "Diese Resolution bringt kein Recht auf
Wasser im Sinne des internationalen Rechts. Sie ist nicht eindeutig und
deshalb müssen wir uns enthalten."
41 Enthaltungen
Nach UNO-Angaben enthielten sich insgesamt 41 Staaten, Nein-Stimmen
gab es nicht. Vor allem entwickelte Länder enthielten sich, während die
sogenannten Staaten des Südens praktisch durchgängig für den Entwurf
stimmten.
"Wir bestehen zu zwei Dritteln aus Wasser, unser Gehirn sogar zu drei
Vierteln", sagte der bolivianische UNO-Botschafter Pablo Solon. "Wasser
ist das Transport- und Kühlmittel unseres Körpers und wir können eine
ganze Weile ohne Essen auskommen, aber nur wenige Tage ohne Wasser."
Dennoch müssten Millionen Menschen jeden Tag ohne reines Wasser leben.
"Durchfall ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Durch
schmutziges Wasser sterben mehr Menschen als an Aids, Malaria und Masern
zusammen." Solon hielt vor der Vollversammlung kurz inne. "Das waren
soeben dreieinhalb Sekunden. Alle dreieinhalb Sekunden stirbt ein Kind,
nur weil es kein sauberes Wasser hat."
Der Anspruch auf sauberes Wasser ist völkerrechtlich nicht verbindlich.
Einklagbar ist es selbst in den Unterzeichnerstaaten der Erklärung der
Menschenrechte nicht, zu denen alle 192 UNO-Mitglieder automatisch mit
ihrem Beitritt zählen. Die Verankerung hat aber einen hohen symbolischen
Wert und durchaus Einfluss auf die Politik von Staaten und der
Vereinten Nationen.
Quelle: http://kurier.at/nachrichten/2020073.php?mobil
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